Neues aus Casa de la mujer – Dezember 2021

von Sabine Eßmann

Auf politischer und institutioneller Ebene ist die Gleichberechtigung von Frauen und ihre Teilhabe an öffentlichen Ämtern längst eine Selbstverständlichkeit in Nicaragua. Im März 2021 wurde sogar ein neues Schulfach eingeführt: Kinder sollen in den öffentlichen Schulen künftig die „Rechte und Würde der Frauen“ kennenlernen, um die Achtung
der Frauenrechte zu fördern und so sexueller Belästigung, Misshandlung und Sexualverbrechen vorzubeugen.

Aufgrund der Covid-Pandemie erhalten jedoch derzeit viele Kinder in Privatschulen online-Unterricht. In den staatlichen Schulen findet zwar offiziell Präsenzunterricht statt, ein großer Teil der Kinder nimmt aber aus Angst vor Ansteckung nicht regelmäßig daran teil. Deshalb ist dieses Vorhaben wohl erstmal Theorie. „Ein sehr interessantes Projekt“, findet Erika, die Leiterin des Frauenzentrums. „Es ist wichtig, dass dies in Schulen thematisiert wird. Aber die Umsetzung ist bislang sehr oberflächlich und hängt stark von der jeweiligen Lehrkraft ab.“

Darüberhinaus gibt es derzeit leider wenig Aktivitäten zur Förderung der Frauenrechte, meinen die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums, weder von staatlicher Seite noch von
Frauenorganisationen. Angst vor Repression und der Rückgang der internationalen Kooperation haben leider zu einer Verringerung der Projekte zur Gewaltprävention
geführt. Die reale Situation vieler Frauen, insbesondere auf dem Land und vor allem in den ärmeren Schichten, hat sich in der letzten Zeit verschlechtert. Die Spaltung der Gesellschaft, die sich im Vorfeld der Wahlen noch verschärfte, die allgemein unsichere politische Situation, die Unklarheit darüber, welchen Weg das Land einschlagen wird, die Pandemie und die schwierige Wirtschaftslage führen zu einem Klima der Verunsicherung und Angst. Der Rückgang der Produktion in der Freihandelszone bei El Viejo, einem wichtigen Arbeitgeber der Region, hat zu Einkommensverlusten und höherer Arbeitslosigkeit geführt. Die Migration nimmt wieder zu, mit der Folge, dass Familien zerfallen, worunter die Kinder am meisten leiden.

Dies alles spüren wir im Frauenzentrum, schreibt Kenia, die Rechtsanwältin. Die Zahl der Frauen, die sich an uns wenden, um Unterhalt einzuklagen, hat zugenommen,
ebenso die Fälle von Kindesmissbrauch. Ein Beispiel: Die sechsjährige M.J. ist ein ängstliches Kind, das häufig traurig wirkt und sich zurückzieht. Im Kindergarten hat
sie Probleme, sich in die Gruppe zu integrieren. Zudem schläft sie oft schlecht. Sie lebt bei der Mutter, ist aber, wenn diese arbeitet, oft bei ihrem Onkel. Die Familie ist aus ärmsten Verhältnissen und lebt auf dem Land. Als sie eines Tages ihrer Oma beim Waschen über
Schmerzen an der Scheide berichtet, wird diese hellhörig. Sie bringt das Mädchen zur Psychologin ins Frauenzentrum. Nach einer Untersuchung stellt sich heraus, dass der
Onkel das Kind missbraucht hat. Auch ihre Cousinen würde er anfassen, berichtet die Kleine. Im Frauenzentrum kümmern sich Psychologin Orfa Prado und Rechtsanwältin Kenia Ubilla jetzt um den Fall. Sie halfen der Mutter bei der Erstattung der Anzeige und begleiten sie bei weiteren notwendigen Schritten. Der Onkel ist allerdings unterdessen vor der Justiz geflüchtet. Das Kind und weitere Familienmitglieder werden von der Psychologin betreut.
Neben den individuellen Beratungen bietet das Frauenzentrum Näh-, Konditor-, und Frisierkurse an. Diese werden seit diesem Jahr mit workshops zu Frauenrechten kombiniert. „Für die Mehrzahl der Frauen war es eine neue Erfahrung, das Thema Frauenrechte mit Themen wie Selbstwertgefühl oder Achtsamkeit in Verbindung
zu bringen“, schreibt Kenia Ubilla. Meist wird ein kurzes Video als Einstieg gezeigt, um dann über Themen wie „Formen der Gewalt“, „Selbstachtung“, „Umgang mit Gefühlen“ oder „Wege der Anklageerhebung“ ins Gespräch zu kommen. Die Frauen bringen ihre Erfahrungen ein und in der Gruppe wird das Bewusstsein darüber gestärkt, wie wichtig es ist, Gewalt nicht zu verschweigen und genau hinzuschauen. Ziel der Kurse ist es, den Frauen ein Einkommen zu ermöglichen – ein weiterer Baustein zur Durchsetzung ihrer Rechte.

Angebote des Frauenzentrums:
• kostenlose Rechtsberatung und anwaltliche Unterstützung
• Psychologische Beratung und Hilfe
• Gynäkologische Untersuchungen
• Näh-, Frisier- und Back-Kurse und workshops zu Frauenrechten

Die Gehälter der Rechtsanwältin, der Psychologin und der Gynäkologin werden vom Nicaragua-Forum Heidelberg finanziert, auch die Kursleiterinnen erhalten eine
Unterstützung. Die Leiterin wird vom Mannheimer Nicaraguaverein zur Förderung der Städtepartnerschaft El Viejo finanziert.
Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, die Arbeit des Frauenzentrums weiter zu unterstützen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich im „Nicaragua Aktuell Dezember 2021“ von Nicaragua Forum Heidelberg erschienen. Ab S. 16 Verfasst von Sabine Eßmann.

Rundbrief Dezember 2021

Die Wahlen in Nicaragua vom 7. November sind wie erwartet ausgegangen, Ortega hat die Wahl gewonnen. Da vor den Wahlen Repräsentant*innen der Opposition ausgeschlossen worden sind, haben sie zum Boykott der Wahl aufgerufen. Die Aussagen über die Wahlbeteiligung schwanken daher von 65,23 % (Oberster Wahlrat) bis zur Aussage von Teilen der Opposition: 81,5 % der Bevölkerung hätte den Boykott befolgt. Die Einschätzungen über die Lage in Nicaragua gehen sehr auseinandergehen. In Nicaragua dominiert im Augenblick allerdings die Sorge über die schlechte wirtschaftliche Lage, verbunden mit der Angst vor weiteren Sanktionen der USA und EU.

Die Coronapandemie hat auch Nicaragua getroffen. Die Auswirkungen auf das Leben der Menschen sind heftig. Die Zahl der Infizierten stieg zwischen Juni und September rasant, mit vielen Todesfällen, auch unter den AIDEPC-Familien. Es gab zunächst kaum Impfstoff. Inzwischen hat sich die Lage ein wenig verbessert. So sind inzwischen nach offiziellen Angaben 2,19 Millionen Menschen vollständig geimpft, was 33,9 % der Bevölkerung entspricht (Stand 29.11.2021), 58% hat die erste Dosis erhalten. Zum Einsatz kommen, nur teilweise über das Covax-Programm der WHO, insgesamt 6 verschiedene Impfstoffe (BioNTechPfizer, Abdala und Soberana-2 aus Cuba, Sputnik, AstraZeneca und BBIBP-CorV aus China). Die Gesundheitsbehörde hat mobile Einsatzgruppen aufgestellt, die von Haus zu Haus gehen und Impfungen verabreichen. Zurzeit ist Trockenzeit, was zu geringeren Infektionsraten führt. Ferner sind noch immer die meisten Grenzen geschlossen, was das Einschleppen des Virus von außen erschwert.

Frauenzentrum El Viejo unter Coronabedingungen

Das Frauenzentrum in der Freundschaftsstadt Mannheims, El Viejo hat auch in der stark angespannten Coronalage geöffnet, um den Frauen der armen Bevölkerungsteile Beratung, Beistand und Kurse anzubieten. Zurzeit werden neben medizinischer, psychologischer und rechtlicher Beratung auch folgende Kurse angeboten: Kosmetik -und Frisörkurs, Backkurs, Nähkurs.
Oft erscheinen Hilfesuchende und Teilnehmerinnen mit unbrauchbaren Masken oder ganz ohne Masken. Viele Frauen sind finanziell nicht in der Lage, die notwendige Ausrüstung zu kaufen. Um sie nicht abweisen zu müssen, bekommen sie von den geringen Mitteln des Zentrums bezahlte medizinische Masken. Das und die zusätzlichen Ausgaben für Hygienematerial können vom Zentrum dauerhaft nicht getragen werden. Der Nicaraguaverein bittet deshalb um Spenden für diesen Zweck, um die Funktion des Zentrums, Anlaufstelle für alle Frauen in Not zu sein, weiterhin erfüllen zu können. Stichwort: Frauenzentrum

Die Halbzeit des Projektes in Nicaragua – AIDEPC

Seit Mai 2021 läuft zwischen dem Nicaraguaverein Mannheim und AIDEPC aus El Viejo ein Projekt der Entwicklungszusammenarbeit aus den Mittel des Landes Baden-Württemberg – bwirkt! Bei der Unternehmung geht es um die Einkommens-verbesserung dank effizienter Verarbeitung und Vermarktung von Cashewnüssen. Es wurde bereits ein Buchhaltungskurs, eine Coronaschulung inkl. Materialeinkauf und eine Besuchsreise bei befreundeter Genossenschaft für das Empowerment der Frauen durchgeführt. Außerhalb des Projektes, mit Unterstützung einer befreundeten Agraringenieurin, fand Ende Oktober eine zweite Besuchsreise zu einer Kaffeekooperative statt, um dort die Buchhaltungsprozesse bei der Ernte und Verarbeitung zu besprechen. Auch dieses Treffen wurde gut angenommen und motivierte die Besucher*innen für eine direkte Umsetzung auf der Halbinsel Cosegüina.

Das Projekt läuft nach dem Plan, auch wenn die globale Pandemie sich u.a. auf die Preise in den Baumärkten auswirkte. Wir konnten wir nur ein Teil der im Projekt genannter Ausrüstung für das Verarbeitungszentrum wie Schubkarren, Rostbleche, spezielle Hammer kaufen, weil die Preise spürbar angestiegen sind.  

Der arbeitsintensivste Teil des Projektes steht kurz bevor: die Ernte und der Ankauf der Rohnüsse – pures Gold für den Verein. Zwischen Dezember und Februar werden die Nüsse geerntet und müssen dann im Vorratskeller (Bodega) des Vereins bis zur Verarbeitung zwischengelagert werden. Vorher werden LKW gemietet, die alle 45 Genossenschaftler*innen am Fuß des Vulkans Cosegüina anfahren und in den 12 Wochen punktuell die Ernte abholen. Dank des Zuschusses aus Mannheim kann der Verein knapp zwei Tonnen rohe Cashewnüsse für die Veredelung einkaufen, es gäbe aber Verarbeitungspotenzial für mehr. Der Rest der Ernte muss an kommerzielle Aufkäufer verkauft werden, damit verdienen die Familien nicht viel Geld. Nur bei der Verarbeitung entsteht der Mehrwert an den Cashew-Nüssen.  

Übrigens, wir kamen vor kurzem in den Genuss, die Cashew-Nüsse zu probieren. Eine kleine Menge erreichte Mannheim, dank logistischer Unterstützung einer Freundin, Anfang Oktober. Vor 25 Jahren hat der Verein die ersten Cashew-Bäume auf der Halbinsel Cosigüina finanziert. Heute essen wir, was wir damals gepflanzt haben und es schmeckt gut.

Wir können die Situation in Nicaragua nicht ändern. Wir können jedoch das Überleben für mehrere Familien sichern. Helfen Sie uns bitte in der Freundschaftsstadt von Mannheim für ein besseres Morgen zu sorgen. Ohne Ihre Spenden ist unsere Unterstützung vor Ort nicht möglich. 30 Euro kostet z.B. ein Standardsack Rohnüsse, die der AIDEPC Verein gemeinschaftlich verarbeiten und vermarkten kann. Mit 15 Euro können wir für das Frauenzentrum in El Viejo Masken und Hygieneartikel einkaufen, um sie an bedürftige Frauen zu verteilen.

Die Mitglieder des Nicaraguaverein e.V. wünschen schöne und erholsame Feiertage, ein glückliches Neues Jahr und wir würden uns freuen, wenn wir uns im Jahr 2022 wiedersehen!

Monika Grözinger-Heckmann und Dr. Marta Wachowiak für den Verein

Frauenzentrum El Viejo unter Coronabedingungen

Das Frauenzentrum in der Freundschaftsstadt Mannheims, El Viejo, arbeitet auch in der stark angespannten Coronalage um den Frauen der armen Bevölkerungsteile Beratung, Beistand und Kurse anzubieten. Oft erscheinen Hilfesuchende und Teilnehmer mit unbrauchbaren oder ohne Masken. Sie sind finanziell nicht in der Lage, die notwendige Ausrüstung zu kaufen. Um sie nicht abweisen zu müssen, bekommen sie von den geringen Mitteln des Zentrums bezahlte medizinische Masken. Das und die zusätzlichen Ausgaben für Hygienematerial können vom Zentrum dauerhaft nicht getragen werden. Der Nicaraguaverein bittet deshalb um Spenden für diesen Zweck, um die Funktion des Zentrums, Anlaufstelle für alle Frauen in Not zu sein, weiterhin erfüllen zu können.

Zurzeit werden, neben der medizinischen, psychologischen und rechtlichen Beratung, folgende Kurse angeboten: Kosmetik und Frisuren.

Neues aus Casa de la mujer 2021

Die derzeitige Situation wird von den Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums als sehr unsicher und schwierig beschrieben. Die Pandemie und die Wirtschaftskrise verschärften die soziale Situation, was die ärmeren Bevölkerungsschichten am stärksten trifft. Z. B. gab es in einer Autoteilefabrik in El Viejo, einem der größten Arbeitgeber der Region, viele Entlassungen. Angesichts der prekären Lage nimmt die Emigration weiter zu. Auch setzte die Regenzeit dieses Jahr extrem spät ein, was zu einer Verteuerung vieler Lebensmittel beitrug, so dass viele Familien dringend auf die Überweisungen von im Ausland lebenden Angehörigen angewiesen sind. Hinzu kommen die politische Krise, Berichte über politische Gefangene, eine gespaltene Opposition und die Unsicherheit, wie es nach den Wahlen im November weitergehen wird.

In diesem Kontext halten die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums ihre Angebote aufrecht, an denen weiterhin ein hoher Bedarf besteht:

• kostenlose Rechtsberatung und anwaltliche Unterstützung für Frauen durch Anwältin Kenia Ubilla

• Psychologische Beratung und Therapie durch Psychologin Orfa Prado

• Gynäkologische Untersuchungen durch Frauenärztin Aleída Ríos

• Nähkurse, Koch-und Back- und Frisierkurse, mit denen Frauen Kenntnisse und ein Zertifkat erhalten, um eine Stelle zu fnden oder als (Solo-)Selbständige zu arbeiten.

Doch damit Frauenrechte nicht nur auf dem Papier stehen, sind neben den individuellen Angeboten auch gesellschaftliche Veränderungen nötig, zu denen die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums mit Aktionstagen und regelmäßigen Fortbildungen beizutragen versuchen. 71 Femizide gab es in Nicaragua im Jahr 2020. Auch bei uns werden Frauen umgebracht – häufig von einem ExPartner, der eine Trennung nicht akzeptieren will. Hier wie dort gibt es Männer, die glauben, eine Frau „gehöre ihnen“. Und hier wie dort gibt es Richter, die „mildernde Umstände“ gelten lassen und von einem „Mord aus Leidenschaft“ sprechen. Doch Femizide kommen meist nicht plötzlich, vielmehr sind Männer, die sie verüben, häufig schon vorher in Beziehungen gewalttätig gewesen. Um Frauen zu stärken und sie zu ermutigen, Gewalt anzuzeigen, anstatt sie hinzunehmen, veranstaltet das Frauenzentrum Aktionstage und Vorträge. Anlässlich des internationalen Frauentages fand ein Aktionstag zur Gesundheitsvorsorge mit Angeboten zu gynäkologischen Untersuchungen, Krebsvorsorge, Ultraschalluntersuchungen etc. statt. Diese Angebote gibt es zwar immer, aber mit dem Aufruf, zum Frauentag auch an die eigene Gesundheit zu denken, sollten noch einmal zusätzliche Frauen angesprochen werden. Danach wurde unter dem Motto „Zusammen sind wir die Stimmen derer, die nicht mehr sprechen können“ aus Kerzen ein Band der Solidarität entzündet – im Gedenken an all die Frauen, die Opfer von Gewalt wurden. Auch der früheren Leiterin des Frauenzentrums, Eunice Villalobos, einer Vorkämpferin für Frauenrechte, wurde an dem Tag gedacht.
Dank moderner Kommunikationsmöglichkeiten konnten Aktionstag am 8. März Mitglieder des Nicaragua Forum-Heidelberg und des Städtepartnerschaftsvereins Mannheim-El Viejo live dabei sein und per Videoschalte eine Grußbotschaft überbringen. Nach dieser ermutigenden Erfahrung luden wir die Frauen zu einem Vortrag zum Festival Latino virtuell ein: Bei einer online-Veranstaltung per 19 Zoom konnten die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums so ihre Arbeit einem größeren Publikum in Heidelberg, Mannheim und Umgebung vorstellen. Sororidad – Schwesterlichkeit ist ein neues Schlagwort des Frauenzentrums, unter dem sich Frauen zusammenschließen, um sich gegenseitig zu stärken und vor Gewalt zu schützen. Im Anschluss an die wöchentlich stattfindenden Näh-, Back- und Frisierkurse gibt es Veranstaltungen zur Gewaltprävention. Es geht um Stärkung des Selbstwertgefühls und wie Frauen einander, aber auch ihre Kinder stärken können. Es werden Strategien vermittelt, sich selbst besser zu kennen und anzunehmen, Missbrauch und verschiedene Formen der Gewalt frühzeitig wahrzunehmen und rechtzeitig Hilfe zu suchen. Die Rechtsanwältin Kenia Ubilla und die Psychologin Orfa Prado sprechen von einem Zyklus der Gewalt, in den viele Frauen geraten: Nach einer Phase des Verliebtseins kommt es zu Spannungen und in einigen Fällen zu Gewalt. Wenn auf diese Gewaltausbrüche wieder Reue folgt, sind viele Frauen bereit zu verzeihen. Doch oft geht die Gedenken an Femizide Foto: fz Gewalt weiter. Um diesen Gewaltzyklus zu durchbrechen, benötigen die Frauen Hilfe, aber auch die Bereitschaft, Gewalt anzuzeigen, sie nicht hinzunehmen, sich zu schützen und nicht wegzuschauen, wenn die Nachbarin, die Schwester, die Tochter in eine solche Situation gerät. Hierzu werden sie im Frauenzentrum ermutigt. In den meisten Fällen, mit denen Rechtsanwältin Kenia Ubilla konfrontiert ist, geht es allerdings um Unterhaltszahlungen. Doch auch in solchen Fällen ist oft psychologische oder physische Gewalt im Spiel. Die meisten Fälle können durch Vermittlung und Feststellung der Rechte gelöst werden, nur wenige landen vor Gericht. Aber auch wenn es nur um Geld geht, sind diese Fälle für die betroffenen Frauen und ihre Kinder oft überlebenswichtig. Die Gehälter für die Gynäkologin, die Psychologin und die Rechtsanwältin werden vom Nicaragua Forum Heidelberg mit Ihren/Euren Spenden finanziert, während das Gehalt für die Koordinatorin Erika Solis vom Städtepartnerschaftsverein Mannheim-El-Viejo finanziert wird.

Dieser Beitrag ist ursprünglich im „Nicaragua Aktuell Juli 2021„, Nicaragua Forum Heidelberg erschienen. Ab S. 15 Verfasst von Sabine Eßmann.

Bildnachweis: Casa de la mujer El Viejo

RUNDBRIEF APRIL 2021

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,
dank zahlreicher Spenden kann die Erzeugergemeinschaft AIDEPC mit der gekauften
Cashewknackmaschine nun in der gleichen Zeit ein Vielfaches an Cashewnüssen knacken, wie vorher. Dafür noch einmal herzlichen Dank an alle Spender*innen!

Die Menschen in Nicaraguas Norden und an der Atlantikküste mussten in den letzten Monaten nicht nur mit der Corona-Pandemie fertig werden, sondern wurden von mehreren Katastrophen getroffen. Zunächst gab es große Überschwemmungen durch starke Regenstürme, die durch den Klimawandel in den letzten Jahren immer mehr zugenommen haben. In El Viejo und dem umliegenden Land wurden viele Häuser und Straßen beschädigt. Hier zeigte sich sehr deutlich, wie notwendig das Projekt der Stadt Mannheim ist, Regenrückhaltewasserbecken zu bauen.
Wir hoffen sehr, dass damit in Bälde begonnen werden kann. Die Förderung ist bewilligt, die
Zustimmung von Seiten Nicaraguas muss jetzt erfolgen. Viele Felder im Umland wurden überflutet und so ein Teil der Maisernte beschädigt. Dann trafen die Ausläufer der Hurrikans Eta und Iota, die große Schäden an der Atlantikküste verursacht haben, auch die ländliche Region von El Viejo. Dort wurde ein Teil der Ernte zerstört und viele Familien standen zunächst vor der Situation, dass selbst die täglichen Mahlzeiten fehlten. Ein Hilferuf von der Petrona Perez, der Sprecherin von AIDEPC erreichte uns zu Beginn des Jahres mit der Bitte um schnelle Hilfe.

Der Nicaraguaverein konnte mit Spenden eine Notfallhilfe organisieren. Hier bei der Übergabe der Pakete mit Grundnahrungsmittel. Dringend gebraucht werden aber auch Hygieneartikel und Masken zur Coronaprävention. Wir bitten weiterhin um Spenden für die Erzeugergemeinschaft AIDEPEC!

Der Ausbruch des Vulkans San Christobal im März hat einen Ascheregen über die Region El
Viejo verursacht. Menschen sind zum Glück nicht direkt zu Schaden gekommen, aber ein Teil der Felder ist “verascht”, wie Petrona berichtet. Über weitere Auswirkungen werden wir berichten.


Casa de la Mujer – Frauenzentrum El Viejo
Nach dem Missbrauch und Mord an zwei zehn-und zwölfjährigen Mädchen im September ging ein Aufschrei durch das Land. “Eine traurige Realität, mit der Frauen und Mädchen täglich konfrontiert sind”, sagt die Rechtanwältin des Frauenzentrums Kenia Ubilla.
Auch die Leiterin des Zentrums sagt: “wir dürfen nicht zulassen, dass in der momentanen Krise die Frauenrechte in den Hintergrund treten” Mit dem Rückgang der Infektionszahlen kommen jetzt wieder mehr Frauen zu Beratungsgesprächen. Da sich die wirtschaftliche Lage sehr verschlechtert hat, haben die Unterhaltsklagen zugenommen. Allerdings können viele Unterhaltspflichtige gar nicht bezahlen, da viele Menschen arbeitslos geworden sind. So hat z.B. die Autoteilefabrik Arnecón, als einer der wichtigsten Arbeitgeber nach 4 monatigem Produktionstopp nur noch 50 % der Arbeiter*innen übernommen. Viele Frauen versuchen sich mit Straßenverkäufen über Wasser zu halten oder sind auf Lebensmittelspenden angewiesen.
Viele Jahre war die Vorschule wichtige Baustein im Bildungsangebot des Frauenzentrums. Jetzt wurde vom Bildungsministerium beschlossen, die Vorschule in die Räumlichkeiten der
Grundschule zu verlegen. So geht eine wichtige Verbindung zu den Eltern der Vorschulkinder verloren, ein schwerer Schlag für das Frauenzentrum Die Mitarbeiterinnen versuchen dennoch den Kontakt zu den Eltern durch verschiedene Beratungsangebote aufrecht zu erhalten.
Wir bitten weiterhin um Unterstützung, die Arbeit des Frauenzentrums weiter ermöglichen
zu können.


Wahlen in Nicaragua
Im Moment bestimmen die kommenden Wahlen die politische Auseinandersetzung. Die
Opposition ist gespalten und eine Einigung scheint nicht in Sicht. Wer sich genauer informieren möchte, findet hier Informationen:
https://www.nicaragua-forum.de/
https://amerika21.de/nachrichten/34

Digitales Festival Latino Mannheim -Heidelberg Mai 2021
Das Festival Latino findet in diesem Jahr leider online statt.
Ein ausführliches Programm wird Euch noch zugehen, aber notiert Euch schon mal
unsere Veranstaltungen:

5. Mai 2021 : gemeinsam mit dem Nicaragua-Forum Heidelberg führen wir ein Live-Gespräch mit Erika Solis und Kenia Ubilla vom Frauenzentrum El Viejo

19. Mai 2021 : “Reise nach El Viejo” Günter Lohse berichtet über seine Eindrücke in
El Viejo


Finep-Projekt mit Studentinnen der Uni Heidelberg
Die Semester-Zusammenarbeit mit Studentinnen der Uni Heidelberg steht kurz vor dem
Abschluss. Marta und Günter haben erfolgreich die Arbeit der vier Studentinnen begleitet.
Über die Ergebnisse der Arbeit werden wir im nächsten Rundbrief berichten.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr im Mai den Weg an Eurer PC findet und wir uns
bei den Veranstaltungen wiedersehen können.

Herzliche Grüße vom Nicaraguaverein

AIDEPC

AIDEPC = Asociación Intercomunicaría del Desarrollo Estratégico de la Península de Cosiguina

Der genossenschaftlich organisierter zivile Verein AIDEPC wurde 2002 gegründet. Es handelt sich um eine Gruppe kleiner landwirtschaftlicher Erzeuger mit 45 Mitgliedern, davon 23 Frauen. Bei der Gründung ging es um die Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Region Cosigüina, mit besonderem Hinblick auf eine umweltverträgliche Entwicklung und unter gleicher Beteiligung von Frauen.

Angebaut werden in der Genossenschaft Mais, Bohnen, Sesam, Reis und Cashewnüsse. 

Cashew-Nüsse

Cashewplantagen sind eine agroforstliche Alternative, die im Naturschutzgebiet Cosiguina propagiert wird. AIDEPC trägt zur Umwandlung von Brachflächen oder landwirtschaftlichen Flächen in Cashewplantagen bei und so zur Wiederaufforstung und Abschwächung der Auswirkungen des Klimawandels. Die Mitglieder der Genossenschaft wurden in ökologischen Techniken für den Anbau geschult. Bio-Zertifizierung soll folgen.

Der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Mannheim/El Viejo und Region in Nicaragua e.V. unterstützte die Organisation in der Anfangsphase der Gründung. AIDEPC hat seinen Sitz El Viejo, der Stadt, mit der die Stadt Mannheim seit 30 Jahren einen Freundschaftsvertrag hat.

Chronik:
2002 hat der Verein für die Pflanzung der ersten Cashewplantagen gespendet.
2005 hat der Verein erneut gespendet: als Anschubfinanzierung für weitere Cashewplantagen, und für Schweinezuchtprojekt der Genossenschaft (46 Zuchtsauen und 5 Zuchteber an 23 Familien)
2006 hat der Verein für Einrichtung des Verarbeitungszentrums gespendet.
2007 wurde ein Schafzuchtprojekt unterstützt.
2020 Hurrikan-Hilfe und Corona-Unterstützung, Kauf einer Maschine für die Ernte 2020.
2021 gemeinsames Projekt dank Zuwendung der Stiftung SEZ

Die Präsidentin, Frau Petrona Peres, ist seit Anfang dabei und verfügt über gute Netzwerke innerhalb Nicaraguas.

Die Geschäftsführerin der Genossenschaft bei der Arbeit