Neues aus Casa de la mujer 2021

Die derzeitige Situation wird von den Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums als sehr unsicher und schwierig beschrieben. Die Pandemie und die Wirtschaftskrise verschärften die soziale Situation, was die ärmeren Bevölkerungsschichten am stärksten trifft. Z. B. gab es in einer Autoteilefabrik in El Viejo, einem der größten Arbeitgeber der Region, viele Entlassungen. Angesichts der prekären Lage nimmt die Emigration weiter zu. Auch setzte die Regenzeit dieses Jahr extrem spät ein, was zu einer Verteuerung vieler Lebensmittel beitrug, so dass viele Familien dringend auf die Überweisungen von im Ausland lebenden Angehörigen angewiesen sind. Hinzu kommen die politische Krise, Berichte über politische Gefangene, eine gespaltene Opposition und die Unsicherheit, wie es nach den Wahlen im November weitergehen wird.

In diesem Kontext halten die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums ihre Angebote aufrecht, an denen weiterhin ein hoher Bedarf besteht:

• kostenlose Rechtsberatung und anwaltliche Unterstützung für Frauen durch Anwältin Kenia Ubilla

• Psychologische Beratung und Therapie durch Psychologin Orfa Prado

• Gynäkologische Untersuchungen durch Frauenärztin Aleída Ríos

• Nähkurse, Koch-und Back- und Frisierkurse, mit denen Frauen Kenntnisse und ein Zertifkat erhalten, um eine Stelle zu fnden oder als (Solo-)Selbständige zu arbeiten.

Doch damit Frauenrechte nicht nur auf dem Papier stehen, sind neben den individuellen Angeboten auch gesellschaftliche Veränderungen nötig, zu denen die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums mit Aktionstagen und regelmäßigen Fortbildungen beizutragen versuchen. 71 Femizide gab es in Nicaragua im Jahr 2020. Auch bei uns werden Frauen umgebracht – häufig von einem ExPartner, der eine Trennung nicht akzeptieren will. Hier wie dort gibt es Männer, die glauben, eine Frau „gehöre ihnen“. Und hier wie dort gibt es Richter, die „mildernde Umstände“ gelten lassen und von einem „Mord aus Leidenschaft“ sprechen. Doch Femizide kommen meist nicht plötzlich, vielmehr sind Männer, die sie verüben, häufig schon vorher in Beziehungen gewalttätig gewesen. Um Frauen zu stärken und sie zu ermutigen, Gewalt anzuzeigen, anstatt sie hinzunehmen, veranstaltet das Frauenzentrum Aktionstage und Vorträge. Anlässlich des internationalen Frauentages fand ein Aktionstag zur Gesundheitsvorsorge mit Angeboten zu gynäkologischen Untersuchungen, Krebsvorsorge, Ultraschalluntersuchungen etc. statt. Diese Angebote gibt es zwar immer, aber mit dem Aufruf, zum Frauentag auch an die eigene Gesundheit zu denken, sollten noch einmal zusätzliche Frauen angesprochen werden. Danach wurde unter dem Motto „Zusammen sind wir die Stimmen derer, die nicht mehr sprechen können“ aus Kerzen ein Band der Solidarität entzündet – im Gedenken an all die Frauen, die Opfer von Gewalt wurden. Auch der früheren Leiterin des Frauenzentrums, Eunice Villalobos, einer Vorkämpferin für Frauenrechte, wurde an dem Tag gedacht.
Dank moderner Kommunikationsmöglichkeiten konnten Aktionstag am 8. März Mitglieder des Nicaragua Forum-Heidelberg und des Städtepartnerschaftsvereins Mannheim-El Viejo live dabei sein und per Videoschalte eine Grußbotschaft überbringen. Nach dieser ermutigenden Erfahrung luden wir die Frauen zu einem Vortrag zum Festival Latino virtuell ein: Bei einer online-Veranstaltung per 19 Zoom konnten die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums so ihre Arbeit einem größeren Publikum in Heidelberg, Mannheim und Umgebung vorstellen. Sororidad – Schwesterlichkeit ist ein neues Schlagwort des Frauenzentrums, unter dem sich Frauen zusammenschließen, um sich gegenseitig zu stärken und vor Gewalt zu schützen. Im Anschluss an die wöchentlich stattfindenden Näh-, Back- und Frisierkurse gibt es Veranstaltungen zur Gewaltprävention. Es geht um Stärkung des Selbstwertgefühls und wie Frauen einander, aber auch ihre Kinder stärken können. Es werden Strategien vermittelt, sich selbst besser zu kennen und anzunehmen, Missbrauch und verschiedene Formen der Gewalt frühzeitig wahrzunehmen und rechtzeitig Hilfe zu suchen. Die Rechtsanwältin Kenia Ubilla und die Psychologin Orfa Prado sprechen von einem Zyklus der Gewalt, in den viele Frauen geraten: Nach einer Phase des Verliebtseins kommt es zu Spannungen und in einigen Fällen zu Gewalt. Wenn auf diese Gewaltausbrüche wieder Reue folgt, sind viele Frauen bereit zu verzeihen. Doch oft geht die Gedenken an Femizide Foto: fz Gewalt weiter. Um diesen Gewaltzyklus zu durchbrechen, benötigen die Frauen Hilfe, aber auch die Bereitschaft, Gewalt anzuzeigen, sie nicht hinzunehmen, sich zu schützen und nicht wegzuschauen, wenn die Nachbarin, die Schwester, die Tochter in eine solche Situation gerät. Hierzu werden sie im Frauenzentrum ermutigt. In den meisten Fällen, mit denen Rechtsanwältin Kenia Ubilla konfrontiert ist, geht es allerdings um Unterhaltszahlungen. Doch auch in solchen Fällen ist oft psychologische oder physische Gewalt im Spiel. Die meisten Fälle können durch Vermittlung und Feststellung der Rechte gelöst werden, nur wenige landen vor Gericht. Aber auch wenn es nur um Geld geht, sind diese Fälle für die betroffenen Frauen und ihre Kinder oft überlebenswichtig. Die Gehälter für die Gynäkologin, die Psychologin und die Rechtsanwältin werden vom Nicaragua Forum Heidelberg mit Ihren/Euren Spenden finanziert, während das Gehalt für die Koordinatorin Erika Solis vom Städtepartnerschaftsverein Mannheim-El-Viejo finanziert wird.

Dieser Beitrag ist ursprünglich im „Nicaragua Aktuell Juli 2021„, Nicaragua Forum Heidelberg erschienen. Ab S. 15 Verfasst von Sabine Eßmann.

Bildnachweis: Casa de la mujer El Viejo

RUNDBRIEF APRIL 2021

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,
dank zahlreicher Spenden kann die Erzeugergemeinschaft AIDEPC mit der gekauften
Cashewknackmaschine nun in der gleichen Zeit ein Vielfaches an Cashewnüssen knacken, wie vorher. Dafür noch einmal herzlichen Dank an alle Spender*innen!

Die Menschen in Nicaraguas Norden und an der Atlantikküste mussten in den letzten Monaten nicht nur mit der Corona-Pandemie fertig werden, sondern wurden von mehreren Katastrophen getroffen. Zunächst gab es große Überschwemmungen durch starke Regenstürme, die durch den Klimawandel in den letzten Jahren immer mehr zugenommen haben. In El Viejo und dem umliegenden Land wurden viele Häuser und Straßen beschädigt. Hier zeigte sich sehr deutlich, wie notwendig das Projekt der Stadt Mannheim ist, Regenrückhaltewasserbecken zu bauen.
Wir hoffen sehr, dass damit in Bälde begonnen werden kann. Die Förderung ist bewilligt, die
Zustimmung von Seiten Nicaraguas muss jetzt erfolgen. Viele Felder im Umland wurden überflutet und so ein Teil der Maisernte beschädigt. Dann trafen die Ausläufer der Hurrikans Eta und Iota, die große Schäden an der Atlantikküste verursacht haben, auch die ländliche Region von El Viejo. Dort wurde ein Teil der Ernte zerstört und viele Familien standen zunächst vor der Situation, dass selbst die täglichen Mahlzeiten fehlten. Ein Hilferuf von der Petrona Perez, der Sprecherin von AIDEPC erreichte uns zu Beginn des Jahres mit der Bitte um schnelle Hilfe.

Der Nicaraguaverein konnte mit Spenden eine Notfallhilfe organisieren. Hier bei der Übergabe der Pakete mit Grundnahrungsmittel. Dringend gebraucht werden aber auch Hygieneartikel und Masken zur Coronaprävention. Wir bitten weiterhin um Spenden für die Erzeugergemeinschaft AIDEPEC!

Der Ausbruch des Vulkans San Christobal im März hat einen Ascheregen über die Region El
Viejo verursacht. Menschen sind zum Glück nicht direkt zu Schaden gekommen, aber ein Teil der Felder ist “verascht”, wie Petrona berichtet. Über weitere Auswirkungen werden wir berichten.


Casa de la Mujer – Frauenzentrum El Viejo
Nach dem Missbrauch und Mord an zwei zehn-und zwölfjährigen Mädchen im September ging ein Aufschrei durch das Land. “Eine traurige Realität, mit der Frauen und Mädchen täglich konfrontiert sind”, sagt die Rechtanwältin des Frauenzentrums Kenia Ubilla.
Auch die Leiterin des Zentrums sagt: “wir dürfen nicht zulassen, dass in der momentanen Krise die Frauenrechte in den Hintergrund treten” Mit dem Rückgang der Infektionszahlen kommen jetzt wieder mehr Frauen zu Beratungsgesprächen. Da sich die wirtschaftliche Lage sehr verschlechtert hat, haben die Unterhaltsklagen zugenommen. Allerdings können viele Unterhaltspflichtige gar nicht bezahlen, da viele Menschen arbeitslos geworden sind. So hat z.B. die Autoteilefabrik Arnecón, als einer der wichtigsten Arbeitgeber nach 4 monatigem Produktionstopp nur noch 50 % der Arbeiter*innen übernommen. Viele Frauen versuchen sich mit Straßenverkäufen über Wasser zu halten oder sind auf Lebensmittelspenden angewiesen.
Viele Jahre war die Vorschule wichtige Baustein im Bildungsangebot des Frauenzentrums. Jetzt wurde vom Bildungsministerium beschlossen, die Vorschule in die Räumlichkeiten der
Grundschule zu verlegen. So geht eine wichtige Verbindung zu den Eltern der Vorschulkinder verloren, ein schwerer Schlag für das Frauenzentrum Die Mitarbeiterinnen versuchen dennoch den Kontakt zu den Eltern durch verschiedene Beratungsangebote aufrecht zu erhalten.
Wir bitten weiterhin um Unterstützung, die Arbeit des Frauenzentrums weiter ermöglichen
zu können.


Wahlen in Nicaragua
Im Moment bestimmen die kommenden Wahlen die politische Auseinandersetzung. Die
Opposition ist gespalten und eine Einigung scheint nicht in Sicht. Wer sich genauer informieren möchte, findet hier Informationen:
https://www.nicaragua-forum.de/
https://amerika21.de/nachrichten/34

Digitales Festival Latino Mannheim -Heidelberg Mai 2021
Das Festival Latino findet in diesem Jahr leider online statt.
Ein ausführliches Programm wird Euch noch zugehen, aber notiert Euch schon mal
unsere Veranstaltungen:

5. Mai 2021 : gemeinsam mit dem Nicaragua-Forum Heidelberg führen wir ein Live-Gespräch mit Erika Solis und Kenia Ubilla vom Frauenzentrum El Viejo

19. Mai 2021 : “Reise nach El Viejo” Günter Lohse berichtet über seine Eindrücke in
El Viejo


Finep-Projekt mit Studentinnen der Uni Heidelberg
Die Semester-Zusammenarbeit mit Studentinnen der Uni Heidelberg steht kurz vor dem
Abschluss. Marta und Günter haben erfolgreich die Arbeit der vier Studentinnen begleitet.
Über die Ergebnisse der Arbeit werden wir im nächsten Rundbrief berichten.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr im Mai den Weg an Eurer PC findet und wir uns
bei den Veranstaltungen wiedersehen können.

Herzliche Grüße vom Nicaraguaverein

AIDEPC

AIDEPC = Asociación Intercomunicaría del Desarrollo Estratégico de la Península de Cosiguina

Der genossenschaftlich organisierter zivile Verein AIDEPC wurde 2002 gegründet. Es handelt sich um eine Gruppe kleiner landwirtschaftlicher Erzeuger mit 45 Mitgliedern, davon 23 Frauen. Bei der Gründung ging es um die Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Region Cosigüina, mit besonderem Hinblick auf eine umweltverträgliche Entwicklung und unter gleicher Beteiligung von Frauen.

Angebaut werden in der Genossenschaft Mais, Bohnen, Sesam, Reis und Cashewnüsse. 

Cashew-Nüsse

Cashewplantagen sind eine agroforstliche Alternative, die im Naturschutzgebiet Cosiguina propagiert wird. AIDEPC trägt zur Umwandlung von Brachflächen oder landwirtschaftlichen Flächen in Cashewplantagen bei und so zur Wiederaufforstung und Abschwächung der Auswirkungen des Klimawandels. Die Mitglieder der Genossenschaft wurden in ökologischen Techniken für den Anbau geschult. Bio-Zertifizierung soll folgen.

Der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Mannheim/El Viejo und Region in Nicaragua e.V. unterstützte die Organisation in der Anfangsphase der Gründung. AIDEPC hat seinen Sitz El Viejo, der Stadt, mit der die Stadt Mannheim seit 30 Jahren einen Freundschaftsvertrag hat.

Chronik:
2002 hat der Verein für die Pflanzung der ersten Cashewplantagen gespendet.
2005 hat der Verein erneut gespendet: als Anschubfinanzierung für weitere Cashewplantagen, und für Schweinezuchtprojekt der Genossenschaft (46 Zuchtsauen und 5 Zuchteber an 23 Familien)
2006 hat der Verein für Einrichtung des Verarbeitungszentrums gespendet.
2007 wurde ein Schafzuchtprojekt unterstützt.
2020 Hurrikan-Hilfe und Corona-Unterstützung, Kauf einer Maschine für die Ernte 2020.
2021 gemeinsames Projekt dank Zuwendung der Stiftung SEZ

Die Präsidentin, Frau Petrona Peres, ist seit Anfang dabei und verfügt über gute Netzwerke innerhalb Nicaraguas.

Die Geschäftsführerin der Genossenschaft bei der Arbeit

Neues Projekt 2021-2022: ENTWICKLUNG UND EINKOMMENSVERBESSERUNG DANK CASHEW

Wir freuen uns über die Zuwendung der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit des Landes Baden-Württemberg. Wir haben einen Projektantrag für AIDEPC (Asociación Intercomunicaría del Desarrollo Estratégico de la Península de Cosiguina) gestellt und die Zuwendung von knapp 5.000 Euro für unser Projekt bekommen. Das Projekt startet am 1.4.2021 und soll bis zum 31.3.2022 abgeschlossen sein.

Der genossenschaftlich organisierter zivile Verein AIDEPC wurde 2002 gegründet. Es handelt sich um eine Gruppe kleiner landwirtschaftlicher Erzeuger mit 45 Mitgliedern, davon 23 Frauen. Angebaut werden in der Genossenschaft Mais, Bohnen, Sesam, Reis und Cashewnüsse. Trotz der wirtschaftlichen Krise wollen sie die Verarbeitung und Vermarktung von Cashewnüssen stärken. Hierfür wollen sie mit der Verbesserung der Produktionskapazität und -qualität für besseres Einkommen /Armutsbekämpfung und zur Nachhaltigkeit der Genossenschaft beitragen. Cashewplantagen sind eine agroforstliche Alternative, die im Naturschutzgebiet Cosigüina propagiert wird. AIDEPC trägt zur Umwandlung von Brachflächen oder landwirtschaftlichen Flächen in Cashewplantagen bei und so zur Wiederaufforstung und Abschwächung der Auswirkungen des Klimawandels. Die Mitglieder der Genossenschaft wurden in ökologischen Techniken für den Anbau geschult. Bio-Zertifizierung soll folgen.

Damit leisten wir aktiven Beitrag zu den UN-Zielen: keine Armut und Menschenwürdige Arbeit.

Das Projekt wird gefördert durch das Land Baden-Württemberg durch die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ).

Rückblick 2020

Liebe Vereinsmitglieder und Vereinsfördernde,

das Jahr 2020 ist vorbei, das lässt einen retrospektiven Blick auf unsere Tätigkeit im Jahr 2020 werfen. Das Jahr war besonders, in vielerlei Hinsicht. Die Pandemie hat sich auf das Vereinsleben ausgewirkt. Wir konnten zum Teil nicht alle unsere geplanten Veranstaltungen durchführen, anderseits haben wir so unglaubliche Zuwendungen für unsere Projekte erhalten, dass wir alle geplanten und ungeplanten Vorhaben im Jahr 2020 realisieren konnten. Für den kleinen Nicaraguaverein aus Mannheim ein voller Erfolg!

Dafür danken wir allen Spender*innen noch einmal ganz herzlich!
Das Wichtigste: das Frauenzentrum in El Viejo hat das ganze Jahr Beratung für Frauen in Notlagen angeboten, hat aber den Betrieb eingeschränkt und Sicherheits- und Hygienemaßnahmen getroffen. Wir haben es geschafft, dass komplette Gehalt von Erika Solis, der Leiterin der Einrichtung, in Höhe von 2.750 Euro, im 2020 zu übernehmen.

Im Januar 2020 reiste Günter Lohse, aktives und engagiertes Mitglied unseres Vereins, mit der Delegation der Stadt Mannheim nach El Viejo. In knapp einer Woche wurde dort ein Projekt zum Bau eines Rückhaltebeckens für die Stadt El Viejo entwickelt.

Er besuchte aber auch das Frauenzentrum und die Gruppe ASOPROVIMA auf den Zuckerrohplantagen. Unser Verein hatte 2019 einen kleinen Umweltpreis der Stadt Mannheim gewonnen. Diese Summe – 100 Euro – überreichte Günter an die Initiative als kleine Unterstützung für die rechtliche Beratung von Zuckerroharbeitern. Mit dem Team des Frauenzentrums wurden die wichtigsten Projekte für 2020 beraten.

Darüber hinaus haben wir uns – wie jedes Jahr am 6. Januar – mit einem Stand bei Neujahrempfang der Stadt Mannheim im Rosengarten beteiligt.

Moni, Ronald und Günter an unserem Stand (Marta macht das Foto)

In Februar haben wir uns entschlossen für die kaputte Dachrinne im Frauenzentrum Geld zu sammeln. Wir haben zu Spenden aufgerufen und schon in März könnten wir die benötigten 595 Euro nach El Viejo schicken. Die neue Dachrinne sieht zwar eher wie eine Rutsche aus, aber die Wassermengen in El Viejo sind reichlicher als bei uns.

Die politische Situation in Nicaragua war immer auch Thema auf den Treffen des Vereins. Die Einschätzung der Lage war nicht immer einfach. Nicaraguas Bevölkerung ist nach wie vor gespalten. Regierung und Opposition stehen sich feindlich gegenüber. Die Entlassung der meisten Gefangenen war ein Zeichen, das die Regierung gesetzt hatte, zur Entspannung hat dies aber nicht beigetragen. Die wirtschaftliche Situation des Landes war zu dieser Zeit sehr schlecht und wurde durch die Pandemie verschärft. Corona überlagerte die politischen Nachrichten. Die Regierung Ortega/Murillo versuchte zunächst die Pandemiesituation zu verharmlosen, musste dann aber reagieren. Noch immer ist es schwierig die tatsächlichen Zahlen von Infizierten und Toten zu bestimmen, sie schwanken zwischen Regierung und Opposition. Schutzmaßnamen waren nur bedingt möglich.
Klar war, die Lage war zu diesem Zeitpunkt schwierig. Die Menschen mussten zur Arbeit und hatten nicht den notwendigsten Minimalschutz. Wir mussten reagieren.

Im März haben wir nach Absprache mit dem Frauenzentrum zu Corona-Unterstützung aufgerufen. Dafür erhielten wir zahlreiche Spenden. Auch der Städtepartnerschaftsverein Mannheim und die Stadt Mannheim unterstützen die CoronaHilfe mit Spenden. Das Team aus Nicaragua verteilte “Bolsa de protección”, kleine Anti-Corona-Sets, an die Familien. Darin enthalten waren: Atemschutzmasken, Seife, Desinfektions- und Reinigungsmittel. Es konnten fast 200 Personen von der Aktion profitieren.
Der Vortrag von Günter über seinen Besuch in El Viejo „Nicaragua: 30 Jahre Städtefreundschaft Mannheim – El Viejo. Wie geht es den Menschen in El Viejo heute“ musste wegen des ersten Lockdowns abgesagt werden.
Ganz innovativ war unser Beitrag zum 1. Mai. Wir haben ein Video zum Thema „Solidarität“ gedreht und es wurde bei dem Live-Stream von DGB veröffentlicht. Moni und Ernst waren bei der AHA-1.Mai-Kundgebung dabei.

Moni mit Ernst bei 1.Mai Kundgebung (Ernst macht das Foto)

Im Sommer genossen wir die persönlichen Vereinstreffen in den Gärten von Mitgliedern mit gebührenden Abstands- und Hygieneregeln. Das Festival-Latino, das wir mit anderen Lateinamerikagruppen intensiv vorbereitet hatten, ist leider der Pandemie zum Opfer gefallen.
Ana Celia Tercero die Vertreterin der Zuckerrohrarbeiter aus El Viejo, die im August Mannheim besuchen wollte, konnte leider nicht nach Europa fliegen. INKOTA organisierte eine Videoveranstaltung mit ihr.
Im September feierten wir den Zuwachs im Verein: die kleine Franca kam gesund auf die Welt und wir nahmen sie sofort als ein ehrenamtliches Mitglied des Vereins auf. Glückwunsch an die Eltern!
Eine Anfrage aus der Halbinsel Cosigüina (am Ufer des Vulkans Cosigüina im Naturschutzgebiet) von der Genossenschaft AIDEPC erreichte den Verein im Oktober. Dabei geht es um die Unterstützung im Bereich von Verarbeitung von Cashew-Nüssen. Der Nicaraguaverein hat vor ca. 20 Jahren die ersten Cashew-Nussbäume bezahlt und auch einen Teil für das Verarbeitungszentrum. Viele erinnern sich bestimmt auch an das erfolgreiche Schweinezucht-Projekt mit AIDEPC. Das wir unsere Finanzen nicht strapazieren wollten, haben wir mit Hilfe des Mannheimer Morgen zur Unterstützung aufgerufen. „Mit Nussknackermaschine gegen die Armut“ . Wir haben jetzt genug Spenden erhalten, um einen Grundstock für dieses Projekt zu legen. Im Voraus haben wir für die Genossenschaft knapp 700 Euro für einen PC und Corona-Ausrüstung für das Verarbeitungszentrum verschickt.

Der für November geplante Vortrag von Günter in Ludwigshafen (wir erobern neue Ufern) wurde corona-bedingt auf Frühjahr 2021 verlegt worden. Wir trafen uns zum Vereinstreffen das erste Mal digital. Es kappte sehr gut.
Wir wurden von FINEP (Entw.pol. Beratungsinstitut aus BaWü) eingeladen, uns bei einem Projekt „Engagement 2030“ zu beteiligen, in dem es um die Einbindung von Studierenden für ein entwicklungspolitisches Projekt im Verein geht – wahrscheinlich im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Ob es funktioniert und welche Unterstützung wir bekommen, erfahren wir bei dem ersten digitalen Treffen am 8.12. mit den Studierenden der Uni Heidelberg. Seid gespannt!

Weiterhin haben wir mit großer Freude erfahren, dass die Stadt Mannheim die Fördermittel vom Bund für den Bau des Rückhaltebeckens bekommen wird. El Viejo bekommt Unterstützung, damit die jährliche Überschwemmung der Stadt ein Ende hat. Wir drücken die Daumen für die gute Abwicklung des Projekts.

Ende November wurde Nicaragua von zwei Hurrikans in kurze Zeit aufgesucht. Eta und Jota fegten durch das Land. Obwohl der Schwerpunkt der Verwüstung eher an der Atlantikküste lag, auch in El Viejo waren starker Regen, überflutete Straßen und teilweise zerstörte Ernten von Mais und Bohnen für die Menschen spürbar. Wir sahen keine andere Wahl, als auch diesmal zur Hilfe aufzurufen. Wir waren gerührt über die Spendenbereitschaft für diese Naturkatastrophe-Opfer.


Sorgen macht uns die Vorbereitung eines neuen Gesetzes in Nicaragua, das die Zuwendungen aus dem Ausland an Gruppen reglementieren und kontrollieren soll. Es zielt auf Unterstützung der Opposition durch ausländische Geldgeber ab. Noch ist nicht klar, ob auch Vereine, wie der Nicaraguaverein und die unterstützten Projekte davon beeinflusst werden. Wir werden die Gesetzgebung verfolgen und berichten.


Last but not least: Wir freuten uns über den Brief vom 2. Dezember 2020 von der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg. Wir haben im Oktober einen Antrag an die Stiftung gestellt und unser Projekt: „Einkommen und Entwicklungsverbesserung dank Cashew in Nicaragua“ bekommt Fördermittel in Höhe von knapp 5.000 Euro. Wir wollen der Genossenschaft AIDEPC helfen, die Verarbeitung von Cashew-Nüssen zu verbessern, das Know-How aufzubauen und die Vermarktung zu optimieren.

Als ein Verein mit kleinem aktivem Kern blicken wir, trotz schwieriger Situation, mehr als zu-frieden auf das Jahr. Wo wir noch staunen können, geschieht das Wunderbare!

Was wir uns wünschen für das Jahr 2021? Dass wir alle weiterhin gesund sind, ihr uns weiterhin treu bleibt. Erzählt Euren Freunden und Verwandten über uns – neue Mitglieder sind stets willkommen. Seid alle bereit auf die Sommer-Sause des Nach-Corona-Sommers 2021 – 35 Jahre des Vereins Mannheim El Viejo müssen gefeiert werden!

Letzte Sitzung im Jahr 2020

Wir hatten letzte Woche unsere letzte Vereinssitzung digital gemacht. Es klappte sehr gut. Ohne Glühwein und Plätzchen, dafür mit vielen neuen Ideen für das Jahr 2021.

Wir wünschen Euch allen Frohe Weihnachten und einen gesunden Start in das neue Jahr 2021!

Die Weihnachtspost ist unterwegs!

Da wir dieses Jahr keine Jahreshauptversammlung (JHV) corona-bedingt durchgeführt haben, kommt die Zusammenfassung unserer Tätigkeiten per Post zu Euch. Auch die Spendenquittungen für Geldeingänge bis zum 6.12.2020 wurden verschickt. Die anderen versenden wir im Januar.

Alle, die uns gespendet haben, und keine Spendenquittung bekommen haben, schreibt uns eine kurze E-Mail. Wir kümmern uns drum 🙂

Neues aus dem Frauenzentrum in El Viejo

Ein Bild von einem kleinen Mädchen mit dem Schriftzug: „Kinder dürfen nicht angerührt werden, nicht vergewaltigt werden, nicht ermordet werden“ – dieser Aufschrei ging nach dem Mord an zwei 10 und 12-Jährigen Mädchen in Mulukuku Mitte September durch die sozialen Medien Nicaraguas, dem sich auch die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums anschlossen. Eine traurige Realität, sagt Kenia, die Rechtsanwältin des Frauenzentrums, mit dem Frauen und Mädchen täglich konfrontiert sind. Sie beklagt die Schutzlosigkeit vieler Frauen und Mädchen, die in der derzeitigen Situation, in der die Menschen seltener das Haus verlassen, noch schlimmer ist.

Wir dürfen nicht zulassen, dass in der momentanen Krise Frauenrechte in den Hintergrund geraten, meint Erika Solís, die Leiterin des Frauenzentrums. Zur Covid-Pandemie kommt jetzt noch Hurrikan Eta, bei dem uns zwar nur die Ausläufer erwischt haben, aber auch das hat durch tagelangen Regen zu Überschwemmungen geführt. In der Regenzeit haben Krankheiten wie Dengue-Fieber wieder zugenommen.

Natürlich können wir zur Zeit keine Demonstrationen durchführen, das wäre unverantwortlich. Aber in sozialen Netzwerken und mit Plakaten bei uns im Frauenzentrum sowie den zahlreichen Gesprächen mit den Besucherinnen weisen wir immer wieder darauf hin, dass es Gesetze gibt, die uns schützen sollen und dass Täter bestraft werden müssen, damit es nicht zu weiteren Taten kommt.

In ihrer täglichen Arbeit bedeutet das für die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums, Frauen zu ermutigen, Gewalttaten zur Anzeige zu bringen und sensibel für mögliche Anzeichen des Missbrauchs bei ihren Kindern zu sein.

Viele Familien sind hier in besonderer Weise von der Pandemie betroffen, berichtet Rechtsanwältin Kenia Ubilla. Die wirtschaftliche Lage hat sich extrem verschärft. Ein wichtiger Arbeitgeber der Region, die Autoteilefabrik Arneccón, hatte vier Monate die Produktion gestoppt  – wegen der zeitweiligen Grenzschließung waren die Zufuhr von Teilen und der Export unterbrochen. Jetzt wurde der Betrieb zwar wieder aufgenommen, aber ein Teil der Beschäftigten wurde entlassen, ein Teil nur noch zu 50% beschäftigt. Hinzu kommt, dass die Auslandsüberweisungen stark zurückgingen. Viele Menschen sehen keine Perspektive, das Gefühl von Unsicherheit wächst.

Wir sehen die Auswirkungen daran, dass die Zahl der Frauen, die Unterhalt einklagen zugenommen hat, so die Rechtsanwältin. Allerdings kommt es immer häufiger vor, dass der Unterhaltspflichtige nicht zahlen kann. Natürlich können wir keine Jobs vermitteln, aber manchmal erfahren wir von Gelegenheitsjobs und können Tipps geben. Oder wir suchen andere Lösungen, und es wird in Naturalien gezahlt.

Kinder beim Mittagessen in der Vorschulgruppe des Frauenhaues

Während zunächst aus Angst vor Ansteckung eher weniger BesucherInnen ins Frauenzentrum kamen, hat mit dem Rückgang der Infektionszahlen in Nicaragua die Nachfrage nach den Beratungsangeboten wieder zugenommen.

Die Psychologin Orfa Prado hat derzeit einige Patientinnen in Behandlung, die aufgrund der Ansteckungsgefahren unter Angstzuständen leiden, aber auch solche, die nach überstandener Covid19-Erkrankung an Folgesymptomen wie Depression, Schwäche, Kopfschmerzen oder Antriebslosigkeit leiden. Und nicht nur Gewalt in Partnerschaften ist ein Thema:

Der 25-jährige Marihuana-Konsument J war wieder zu seiner Mutter gezogen, nachdem er im Haus der Großeltern fast einen Brand ausgelöst hatte. Die arbeitslose Mutter, die sich mit dem Verkaufen von Getränken über Wasser hält, verzweifelte an seiner Lethargie, der Weigerung, ihr zu helfen und gelegentlichen Wutausbrüchen, die in verbalen und physischen Angriffen mündeten. Seit April ist er in Behandlung bei Orfa Prado, und es ist ihr mit verschiedenen Therapiemethoden gelungen, ihn zu mehr Selbstreflexion zu bewegen und seine Impulse besser kontrollieren zu lernen. Der letzte Drogentest verlief negativ und auch die Beziehung zu seiner Mutter hat sich deutlich verbessert.

Viele Jahre war die Vorschule ein wichtiger Baustein im Bildungsangebot des Frauenzentrums. Schon vor einigen Jahren wurde sie formell der Grundschule des Stadtviertels zugeordnet, konnte aber bislang vom Frauenzentrum in den eigenen Räumen betrieben werden. Im August beschloss nun das Bildungsministerium, die Vorschule in die Räumlichkeiten der Grundschule zu verlegen – ein schwerer Schlag für das Frauenzentrum, auch wenn seit Beginn der Corona-Pandemie wenig Kinder kamen.

Die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums halten natürlich ihre Beratungsangebote für die Eltern aufrecht und stehen mit vielen Müttern und Vätern weiter in Kontakt.

Beratungen und Sprechstunde im Frauenhaus – Bild aus Zeiten vor Corona

Die Näh- und Backkurse können derzeit nicht durchgeführt werden. Falls es die Infektionszahlen erlauben, sollen sie im Januar wieder beginnen. Stattdessen gab es Anfang November in Kooperation mit dem staatlichen Ausbildungsinstitut INATEC einen Kochkurs – um die Abstandsregeln einzuhalten mit mehr Theorie und weniger Praxis, aber dennoch mit einem Zertifikat, das es den TeilnehmerInnen erlaubt, Essen öffentlich zu verkaufen.

Das Frauenzentrum bietet kostenlose Rechstberatung und Psychologische Behandlung an. Daneben hält die Frauenärztin regelmäßige Sprechstunden ab.

Die Gehälter für die Gynäkologin, die Psychologin und die Rechtsanwältin werden vom Nicaragua Forum Heidelberg finanziert, die Stelle der Leiterin wird vom Nicaraguaverein Mannheim-El-Viejo bezahlt.

Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, die Arbeit weiter zu ermöglichen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich im „Nicaragua aktuell“, Dezember 2020, Nicaragua Forum erschienen. Verfasst von Sabine Eßmann.

Mehr Info: https://www.nicaragua-forum.de/nica-aktuell/nica-aktuell-02-20-web.pdf